Dienstag, 15. August 2017

Fit für den deutschen Arbeitsmarkt

Fünf Krankenschwestern aus Moldawien, Polen, Russland, Tadschikistan und der Ukraine haben Mitte August 2017 ihre Qualifizierungsprüfung als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen in Deutschland bestanden. Die Anerkennung als qualifizierte Arbeitskräfte verleiht ihnen nicht nur neues Selbstbewusstsein, sondern ermöglicht ihnen auch Zugang zu attraktiven Arbeitsplätzen. Wer in Deutschland als staatlich anerkannter Gesundheits- und Krankenpfleger arbeiten möchte, muss zunächst seinen Wissensstand nachweisen und in der Regel an deutsche Standards anpassen. Entsprechende Kurse vermitteln das hier erwartete Fachwissen sowie Fachbegriffe. Das Qualifizierungsprojekt des Kontakt Eberswalde e.V. sichert die Finanzierung der Teilnahmekosten und organisiert das Fachsprachangebot, das auf die Kommunikation mit Patienten, Ärzten und in der Pflegedokumentation vorbereitet. Neue Kurse starten Anfang September 2017.

Fit für den Arbeitsmarkt in Brandenburg - Das IQ-Förderprojekt "Anpassungsqualifizierungen in den sozialen Berufen und den Gesundheitsberufen" des Kontakt Eberswalde e.V. begleitet Zugewanderte mit Berufsabschlüssen aus dem Ausland bei deren Anpassung in Brandenburg.
Foto (von links): Maria Zhukova, Marta Yakubovych, Mariana Cernolev und Farida Yodgorova bringen viel Fachwissen und Erfahrung mit und können künftig in Brandenburg als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen arbeiten. Das brandenburgweit agierende Projekt „Anpassungsqualifizierungen in den Gesundheitsberufen“ des Vereins Kontakt Eberswalde hat sie dabei unterstützt.
In ihren Herkunftsländern waren sie medizinisch ausgebildet, haben oft drei Jahre studiert und über Jahre Erfahrungen in der Pflege gesammelt. Wer in Deutschland als staatlich anerkannter Gesundheits- und Krankenpfleger arbeiten möchte, muss zunächst seinen Wissensstand nachweisen. In der Regel muss eine Kenntnisprüfung oder eine sogenannte Anpassungsqualifizierung absolviert werden. Theoretische Ausbildung und Praktika hierfür dauern etwa drei bis elf Monate.

„Ich bin sehr dankbar, dass es das IQ-Projekt gibt. Denn die hohen Kosten für die Anpassungsqualifizierung hätte ich nicht selbst tragen, einen Kredit nicht aufnehmen können“, so Farida Yodgorova (33) aus Tadschikistan. In ihrer Heimat hat sie drei Jahre lang studiert, danach war sie mehrere Jahre tätig als Krankenschwester in der Hämatologie und einer Ambulanz sowie in einem Labor als Punktionsschwester. Nun möchte sie in Cottbus ihren Beruf wieder aufnehmen. Im Land Brandenburg begleitet der von Migranten selbstorganisierte Verein Kontakt Eberswalde Pflegerinnen und Pfleger aus dem Ausland bei ihrer staatlichen Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und Gesundheits- und Krankenpfleger. Mit dem Förderprojekt „Anpassungsqualifizierungen in den sozialen Ausbildungsberufen und den Gesundheits- und Pflegeberufen“ ist der Verein Kontakt Eberswalde Teil des Landesnetzwerkes Integration durch Qualifizierung (IQ).

Einen „bunten Blumenstrauß“ an Krankenhauserfahrung nicht nur aus der Ukraine, sondern auch aus Israel bringt Schwester Marta Yakubovych (43) mit nach Brandenburg. „Die Pflegeplanung hat in Deutschland in meinem Beruf einen besonderen Stellenwert, das kannte ich so bisher nicht. Neugierig hat es mich allerdings gemacht und nun sehe ich meine berufliche Zukunft gerade im Gesundheitsmanagement.“

Noch einmal die Schulbank drücken, dafür hat sich auch Mariana Cernolev (37) entschieden. Sie möchte auch in Deutschland in ihrem Beruf als Krankenschwester arbeiten, gern als OP-Schwester. Ein knappes Jahr lang hat sie am Europäischen Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft in Berlin gelernt, was für Gesundheits- und Krankenpfleger wichtig ist. Zu ihrem theoretischen Unterricht zählten neben der Pflege auch Anatomie und Medizin, darüber hinaus viele Praxisstunden auf verschiedenen Stationen. Der Operationssaal war für die junge Mutter von zwei Kindern bereits in ihrer Heimat Moldawien ihr favorisierter Arbeitsplatz. Die Nerven bei kritischen Eingriffen behalten, wenn andere schwach würden, die Patienten versorgen und den Ärzten zur Hand gehen – das sei ihre Leidenschaft, so Mariana Cernolev. Allerdings musste die Wahl-Potsdamerin die deutschen Fachbegriffe erst neu lernen: „Direkt übersetzen kann man vieles nicht, das ist oft ein anderer Zugang. Die Fachbegriffe sind jedoch wichtig, nur so können wir im Krankenhaus präzise kommunizieren. Also habe ich auch nach der Schule viel gelernt. Meine gesamte Küche war mit Fragen und Antworten zu Prüfungsthemen beklebt. So konnte ich auch beim Kochen noch lernen.“

Zugangsvoraussetzungen für die Kenntnisprüfung oder Anpassungsqualifizierung sind eine gute Deutsch-Sprachkompetenz, zertifiziert mit dem Sprachnachweis B2, sowie ein Bescheid des zuständigen Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG).

Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF).“

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